Am Donnerstag, 19.02.2026 hatte die SPD Aystetten zu einer Info-Veranstaltung zum Thema "Aystetten weiterdenken - lebenswert für alle Generationen" eingeladen.
Als Experte war Christian Rindsfüßer vom Institut für Sozialplanung, Jugend- und Altenhilfe, Gesundheitsforschung und Statistik (SAGS) zu Gast. Er stellte die statistischen Kennzahlen hinsichtlich der Bevölkerungsstruktur und der Bedarfe in den verschiedenen Lebensphasen vor. Junge Menschen in Ausbildung und Studium haben bezüglich Wohnraum andere Vorstellungen und finanzielle Möglichkeiten als ältere Menschen, die teils allein in sehr großen Wohnungen und Häusern leben oder Pflege benötigen.
In der Konsequenz setzt sich die SPD Aystetten dafür ein, Bebauungspläne zu aktualisieren und bei Genehmigungen von Bauvorhaben künftig zu prüfen für welche Zielgruppen und Bedarfe im Ort gebaut werden soll.
Die Bevölkerung Aystettens hat sich seit 1950 bis zum 31.12.2025 fast verdreifacht auf 3.095 Einwohner:innen. Im Vergleich zum Landkreis Augsburg (10,5%) hat Aystetten mit 8,9 % deutlich weniger Kinder im Krippen- und KiTa-Alter und deutlich weniger Kinder im Grundschulalter. Dem gegenüber wohnen in Aystetten mit insgesamt 23,9 % überdurchschnittlich viele Senior:innen ab 65 Jahren, während es im Landkreis 22,8 % sind. Nur in Neusäß sind es mehr Senior:innen wegen den guten stationären Senioreneinrichtungen, die auch Aystetten zugutekommen.
Wirtschaftlich schwierige und unsichere Zeiten haben Auswirkungen auf die Geburtenzahlen. So sind die Zahlen seit 2023 rückläufig (23 Geburten) und 2025 mit 13 Geburten dramatisch eingebrochen. Dies hat Auswirkungen auf die Krippen- und KiTa-Bedarfsplanung, zumal auch weniger Kinder in diesem Alter aufgrund von Zuzug dazukommen. Ähnlich sieht es bei den Grundschulkindern aus.
Aus den dargestellten statistischen Erhebungen lässt sich ablesen, dass in den kommenden Jahren die vorhandenen Krippen- und KiTa-Plätze ausreichen bzw. ab dem KiTa-Jahr 2026/2027 rückläufig sein werden. Die Grundschule hat derzeit 7 Klassen mit einer komfortablen Durchschnittsklassenstärke von 17 Kindern (Mindestgröße: 13 Kindern, Höchststärke: 28 Kinder). Die SPD Aystetten setzt sich dafür ein, dass die geplanten Bau- und Umbaumaßnahmen bei KiTa, Hort und Schule, und der damit im Zusammenhang stehende geplante Neubau von Rathaus und Mensa anhand des zu erwartenden Bedarfs geprüft werden.
Für die ältere Generation besteht erheblicher Handlungsbedarf. 12,3 % der Aystetter:innen sind über 65 Jahre, das sind 380 Mitbürger:innen, und 11,6 % oder 360 Mitbürgerinnen und Mitbürger sind über 75 Jahre alt.
Die Pläne für den Rathausneubau sehen bis jetzt eine Kombination von KiTa- und Schulmensa mit dem Rathaus vor. Da bleibt die Frage nach der Barrierefreiheit und einer bürgernahen Zugänglichkeit zum Rathaus: für 740 ältere Einwohner:innen geht es entweder über eine Treppe oder nur über einen Aufzug ins Rathaus im ersten Obergeschoss. Knapp jede:r 4. Mitbürger:in bekommt so keinen leichten Zugang zum Rathaus.
Aus den genannten Zahlen ergibt sich als verantwortungsvolle Sozialraumplanung für die SPD Aystetten, dass man in die Betrachtung mit einbeziehen sollte, dass Senior:innen im Rathaus Unterstützung in ihren Angelegenheiten erhalten sollen, z. B. in Rentenfragen, in Fragen zu Pflege, zu altersgerechtem Wohnen, zu ambulanten Diensten, zu Nachbarschaftshilfe und Fahrdiensten. Deshalb sieht es die SPD Aystetten als notwendig an, eine Art „Kümmererstruktur“ für ältere Menschen aufzubauen, aber auch für Familien in Anlehnung an Familienstützpunkte als Infostelle. Hierfür wäre ein barrierefreies, niederschwellig erreichbares Büro im Rathaus erforderlich, sinnvollerweise im Erdgeschoss.
In diesem Zusammenhang wurde in einer lebhaften Diskussion nach der Sinnhaftigkeit des Standorts für den Rathausneubau hinter dem Bürgersaal gefragt, da die Gemeinde ursprünglich ein wertigeres Grundstück für das neue Rathaus gekauft hat. Als Fazit lässt sich festhalten, dass der Rathausneubau hinsichtlich seiner Bürgerfreundlichkeit nochmals neu überdacht werden sollte.
Ursula Reichenmiller-Thoma 3. Bürgermeisterin